Der Anschlag des gestrigen Tages liest sich wie der logische Abschluss eines Jahres des Terrors in Europa. In Erinnerung bleiben werden vor allem die Attacken in Brüssel, Nizza und Berlin. Anschläge auf unsere europäischen Herzen, ganz egal in welchem Land sie stattgefunden haben. Ob am französischen Nationalfeiertag oder auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin, die Strategie der Terroristen bleibt die gleiche: die Spaltung unserer Gesellschaften, das Säen von Hass und Zwietracht, das Stiften von Angst. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Wir dürfen alle Angst haben, wütend sein und traurig auf diese abscheuliche Tat blicken. Es sind die einzigen Reaktionen, die uns bleiben.

Menschen, die heute über „Blut an Merkels Händen“ schwadronieren oder versuchen, eine Sippenhaft aller Flüchtlinge zu konstruieren, verhalten sich unanständig und respektlos gegenüber den Opfern des gestrigen Tages. Wie perfide diese Worte sind, bedarf eigentlich keiner weiteren Ausführungen. Wer so redet, macht sich zum Handlanger der Terroristen. Wer so schreibt, befeuert gerade die beabsichtigte Reaktion der Attentäter. Wir müssen diesen Teufelskreis durchbrechen. So ernüchternd es klingen mag: Keine Regierung dieser Welt kann Terror verhindern. Nicht die Republikaner an 9/11, nicht die Konservativen in Spanien, die Sozialdemokraten in London, kein autokratisches System wie in der Türkei und nein, auch keine rechtspopulistische AfD. Terroristen werden in unseren offenen und liberalen Gesellschaften immer und überall zuschlagen können. Wir haben in unserem Land und auf unserem Kontinent bereits alle Formen des linken, rechten und religiös motivierten Terrors erlebt. Wir haben es immer wieder geschafft, unsere Werte gegen die grausame Taktik des Terrorismus zu verteidigen. Es wird uns auch dieses Mal gelingen.

Wir verteidigen unsere Werte und unsere Lebensweise nicht dadurch, dass wir unsere Stimme vermeintlichen Hoffnungsträgern vom rechten Rand schenken. Nur weil deren Antworten einfach klingen, macht es sie dennoch nicht besser. Solidarität, Menschlichkeit und Zusammenhalt müssen in diesen Zeiten unsere gesellschaftlichen Leitsterne sein – nicht nur in Deutschland, auch und gerade in Europa.

Schließen möchte ich mit einem Video, das heute bereits einige Male in den sozialen Medien geteilt wurde (v.a. ab 2:53). Und nein, es sind nicht Stoltenbergs Worte nach Utøya. Es ist Helmut Schmidts Ansprache nach der Ermordung von Hans Martin Schleyer durch die RAF.

Zum Ende bleibt mir nur noch, Euch ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest zu wünschen. Ich danke Euch für Eure Treue auch in diesem Jahr, für wertvolle Kommentare und Anregungen und auch für die eine oder andere Diskussion. Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Artikel stehen, der Hoffnung macht nach einem Jahr, das als turbulent in die Weltgeschichte eingehen wird. Ein Artikel über Hans Rosling und sein Projekt gapminder.org. Den gibt es dann als hoffnungsvollen Start in das neue Jahr.

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