Embed from Getty Images

Words Matter. Das wurde uns gestern wieder auf niederträchtigste Weise bewiesen. Natürlich trägt Donald Trump Verantwortung für das was gestern in Washington passiert ist. Er hat in den vergangenen Wochen keine Gelegenheit ausgelassen, gegen seine politischen Gegner zu hetzen und versucht die gesamte Wahl zu delegitimieren.

Wenn er von einer „stolen election“ spricht, diffamiert er das gesamte politische System. Es geht nicht mehr „nur“ um einzelnen Wahlbetrug, es geht darum, dass die gesamte Wahl illegitim ist und gestohlen wurde. Genau so haben sich die Randalierenden dann gestern auch im Kapitol ausgedrückt. Es sei „our house“ und „our country“ und „they stole it from us” waren ihre Worte.* Wahrscheinlich hätte niemand Szenen wie die gestrigen aus dem Kapitol für möglich gehalten. Dennoch sind sie in gewisser Weise nur die fast natürliche Konsequenz der Hetze aus dem Weißen Haus in den vergangenen Jahren und nochmals mehr seit der Wahl im November. Auf Worte folgen Taten. Angestachelt von ihrem Anführer ist der Mob gestern nach einer Demonstration vor dem Weißen Haus die wenigen Kilometer vor das Kapitol gezogen und hat im Prinzip nur das umgesetzt, was ihnen ihr Anführer Stunden zuvor mit auf den Weg gegeben hat. Es reicht nicht, in nur guter Absicht, die Agitatoren und Demokratiefeinde – auf beiden Seiten des Atlantiks – zu ignorieren. Wir alle müssen endlich anfangen, ein noch robusteres Bollwerk aufzubauen.

Aus Deutschland oder Europa heraus werden wir nur einen begrenzten Einfluss auf die Menschen und Politik der USA haben können. Viel wichtiger ist es, die besorgniserregenden Tendenzen einer zunehmenden Polarisierung auch bei uns ernst zu nehmen. Auch in Berlin ging der (zum Glück durch die Polizei vereitelte) Sturm des Parlaments von einer Demonstration aus. Aufgestachelt durch die Worte ihrer Anführer – in diesem Fall der Gruppe um die Querdenker-Bewegung – zogen die Demonstranten dann zum Reichstagsgebäude. Words Matter(ed) – auch hier.

Der geflügelte Ausspruch „Wehret den Anfängen!“ ist mittlerweile überholt. Die „Anfänge“ haben wir längst hinter uns gelassen. Es gilt, gemeinsam und geschlossen gegen diese Demokratiefeinde zu arbeiten. In Deutschland, Europa und überall auf der Welt. Fangen wir bei uns an: Dieses Jahr stehen sechs Landtagswahlen und eine Bundestagswahl an. Das heißt, wir alle können in diesem Jahr den Kurs des Landes entscheidend mitbeeinflussen – einige gleich zweimal. Machen wir von unserer schärfsten Waffe im Kampf für unsere Demokratie Gebrauch – unserer Stimme.

Nachtrag zum Aufstand am Kapitol: Aber auch die Frage des „White Priviledge“ muss im Zusammenhang der Ereignisse angesprochen werden. Man kann sich nur vorstellen, wie der Sturm auf das Kapitol geendet hätte, wäre er von einer BLM-Demo ausgegangen. Gewalt ist selbstverständlich nie zu rechtfertigen. Es ist aber bemerkenswert, wie einfach und mit wie wenig Gegenwehr die Randalierer in das Gebäude eindringen konnten.

*vgl. hier: https://www.itv.com/news/2021-01-06/donald-trump-fires-up-protesters-in-washington-as-congress-prepare-to-confirm-biden-victory


Eine Übersicht der Wahltermine in diesem Jahr gibt es hier: https://www.wahlrecht.de/termine.htm

Wer die zunehmende Polarisierung in den USA besser verstehen will, dem sei Ezra Klein’s Werk „Why We’re Polarized“ empfohlen: http://bit.ly/whywearepolarized Hierzu wird es auf meiner Kladde auch noch einen Lesenswert! Post geben.

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.